Warum wir mit einem Film beginnen

Bevor wir das Shift-Stipendium-Projekt, „Our Voices-Our Stories“ vorstellen, möchten wir zuerst zeigen, worum es uns eigentlich geht: um Partizipatives Video – nicht als Begriff oder Methode, sondern als gelebte Praxis.

Deshalb beginnen wir mit einem konkreten Beispiel:
dem Film The Women of the Sun,
einem partizipativ realisierten Projekt von Hamed Zolfaghari, einer prägenden Figur des Partizipativen Videos in Iran und darüber hinaus.

Der Trailer zum Film:

Dieser Film steht hier als Prototyp. Er macht erfahrbar, was passiert, wenn Menschen nicht nur vor der Kamera stehen, sondern aktiv an Bild, Stimme und Erzählung beteiligt sind. Das Video entsteht nicht über die Beteiligten, sondern mit ihnen – als gemeinsamer Prozess, in dem Sichtbarkeit, Vertrauen und Autor*innenschaft geteilt werden.

Zum Film und seinem Autor

Hamed Zolfaghari ist ein iranischer Filmemacher mit Sitz in Teheran. Er realisierte bislang fünf mittellange dokumentarische Filme, bei denen er jeweils Drehbuch, Regie und teilweise auch die Produktion übernahm. Seine Arbeiten wurden auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals und Plattformen gezeigt.
Women of the Sun: A Chronology of Seeing ist sein erster Langdokumentarfilm.

Synopsis

Shafie Abad ist ein Dorf am Rand der iranischen Wüste – über Jahrhunderte geprägt von traditionellen Regeln, scheinbar eingefroren in der Zeit. Doch eines Tages geschieht etwas Unerwartetes: Eine Gruppe von Frauen greift zur Kamera und beginnt, sich als Kollektiv zu organisieren. Aus diesem Impuls heraus gründen sie eine Weberinnen-Kooperative, um ihre Arbeit selbstbestimmt zu organisieren.

Was als ökonomische Initiative beginnt, entwickelt sich zu einem Prozess tiefgreifender Veränderung. Die Verschiebung der sozialen Bedingungen geht mit einer Revolution des Blicks einher: Wer sieht? Wer zeigt? Und wer erzählt wessen Geschichte?

Der Film zeigt, wie ein gemeinsames Sehen und Erzählen Räume öffnen kann, in denen Selbstrepräsentation möglich wird – jenseits von Zuschreibungen und vorgefertigten Bildern.

Auch hier geht es nicht um das Zeigen über andere, sondern um das Entstehen mit ihnen. Die Kamera wird zum Werkzeug einer Verschiebung: weg von Erklärung und Zuschreibung, hin zu geteiltem Blick, geteilter Zeit und geteilter Verantwortung für das Bild.

Der Film macht sichtbar, was später in Our Voices – Our Stories weitergeführt wird: Partizipation nicht als Geste, sondern als Praxis, die Wahrnehmung verändert – und damit auch das, was erzählt werden kann.

Our Voices , Our Stories (Unsere Stimme, Unsere Geschichten) hat nicht die Absicht, eine verlorene Heimat nostalgisch zu rekonstruieren oder ihr Trauma für einen externen Blick zur Schau zu stellen. Wir lehnen den ausgetretenen Pfad der Klischeeverstärkung ab, in dem Wissen, dass es einen einfachen Markt für Narrative gibt, die unsere komplexen Realitäten zu leidenschaftlichen,…

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